An(ge)dacht
Wochenspruch am Sonntag Cantate, 2. Mai
Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Psalm 98,1)
Liebe Freunde unserer Gemeinde,
liebe Leser,
ein fürsorglicher Großvater erzählte mir, dass er mit seinem 3-jährigen Enkelkind zum ersten Mal in einem schönen Tierpark war. Da es dort viel zu sehen gab, wollte er mit dem Enkel nacheinander alles entdecken und bestaunen. Ja, für seinen Enkel hatte er sich diesen Tag reserviert, um für ihn da zu sein und ihm einen schönen Tag zu schenken. Am Wegrand fand der kleine „Weltentdecker" dann Kieselsteine, Sand, Käfer und andere Attraktionen, die seine Aufmerksamkeit so in Beschlag nahmen, dass er sich immer mehr darin vertiefte. Der Großvater freute sich über die Neugier und wollte sie fördern, um dann seine Aufmerksamkeit auch auf die großen Tiere zu lenken, die es noch alle in dem Park zu entdecken gab. Doch der Kleine wollte seine schöne kleine „Steine-, Sand- und Käferwelt" nicht verlassen. Der Großvater wurde ungeduldig rief und zog ihn schließlich, doch er wollte nicht. Schließlich hielt er inne und fragte sich, was dem Kleinen wohl jetzt die größte Freude wäre? So erzählte er davon und stellte dann die Frage: Kann es sein, dass wir in geistlichen Dingen ähnlich vorgehen. Wir wollen Menschen die „großen" Wunder Gottes zeigen und erklären, wir wollen andere teilhaben lassen an dem, was uns wichtig und wertvoll ist, aber wir merken gar nicht, dass wir nicht in ihrer Welt leben und denken und übersehen die „kleinen" Wunder, an denen sich ihr Herz erfreut. Schließlich war sein Fazit: Mein Enkel hat mir eine großartige Predigt gehalten – ohne Worte.
Wenn Gott durch kleine Kinder und kleine Wunder so zu uns reden kann, dann passiert in der Tat etwas Großes.
Die Jünger verstanden nach der Auferstehung Jesu auch nur langsam die geistlichen Zusammenhänge. Und als Gott ihnen an Pfingsten seinen Heiligen Geist schenkte, der ihnen die geistlichen Dinge „verstehbar" machte, da konnten sie einstimmen in das neue Lied, denn er tat ein Wunder an ihnen selbst. Vielleicht war es ein ähnliches Wunder wie das, als der Großvater begriff, dass nicht sein Enkel viel zu lernen hatte, sondern er selbst lernen durfte, welch große Wunder in kleinen Dingen stecken.
Ich jedenfalls freue mich nach diesem langen und kalten Winter über die vielen schönen Blüten und grünen Blätter, das Gott uns nun wachsen lässt. Sie erinnern mich daran, dass alles seine von Gott zugewiesene Zeit hat und auch Kälte und Erstarrung ein Ende, eine Begrenzung haben.
Genauso freue ich mich über die ersten Gottesdienste und Begegnungen in der Kapelle des Hubertus-Krankenhauses. Es ist ein schöner Ort. Auch die Fensterbilder laden dazu ein, nicht nur zu hören, sondern auch mit „anderen Augen" zu sehen, was Gottes Wort an uns ist. Mögen Gottes Wunder auch hier erkennbar und bezeugt werden, und das neue Lied von seiner Güte allen zum Segen werden, die hierher kommen und es hören.
Herzliche Grüße
Ihr Joachim Lotz